Rezensionen

Regen prasselt leise
j. Heinrich Heikamp

Taschenheft, A6, 20 Seiten, € 2.00
ISBN 3-937440-04-6, Crago-Verlag 2003
Durch die Herausgabe des vorliegenden Heftchens beweist der Autor erneut sein Können als Verfasser kleiner, tiefsinniger Gedichte. J. Heinrich Heikamp, der schon einige Publikationen aufzuweisen hat, wählte 15 Werke aus unterschiedlichsten Themenbereichen aus und stellte damit Band 1 der „Edition Heikamp“ im Crago-Verlag zusammen.

Der Lyriker setzt sich sowohl mit ganz klassischen Bereichen wie Liebe und Romantik („Immer wieder“), aber auch mit aktuellen Begebenheiten („Am Neumarkt“) auseinander. Seine kurzen Verse regen zum Nachdenken an oder warten mit einer Pointe auf („Im Büro“). Diese Sammlung ist für jeden Fan zeitgenössischer Lyrik auf jeden Fall zu empfehlen!

Richard Salzmann

Die letzte Figur
j. Heinrich Heikamp

Crago-Verlag, Edition Heikamp 6, Weikersheim, 2004, A6, 3-937440-19-4, 16/200
Auflage: 100 +
Titel- und Innenillustration von Helmut Bone
Vorwort von Michael Schneider-Braune
Crago-Verlag, c/o Michael Schneider-Braune, P.F. 1248, 97990 Weikersheim, Tel.0 79 34 – 9 93 78 90, Fax: 0 79 34 – 9 93 78 89
Seit über einem Vierteljahrhundert ist J. Heinrich Heikamp als Schriftsteller tätig, er engagiert sich für die dt. Comic-Szene und ist auch darüber hinaus vielfach aktiv. Mit seiner Edition Heikamp, die bei Crago-Verlag erscheint, beweist er schon seit längerem eine gute Hand bei der Auswahl von Autoren und ihren Kurzgeschichten. Nach Bd. 1 und 4 zeigt er wieder in Bd. 6 sein Können.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes lebt Petra allein mit ihrer Tochter Sabine. Die beiden haben eine super Mutter-Tochter-Beziehung, und gerade an Weihnachten möchte Petra Sabine ihren größten Wunsch erfüllen: eine Windkönig-Action-Figur. Mutig stürzt sie sich in das Getümmel…

Auch wenn man im nächsten Jahr schon vor Heilig Abend alle Geschenke beisammen haben möchte, um ja nicht wieder von den fetten Hyänen zermalmt zu werden, die sich um die Tische herum und vor den Regalen in den Kaufhäusern wahre Schlachten um die Last-Minute-Presents liefern, irgendwie klappt es nie. In Folge findet man sich wieder völlig genervt in der überfüllten City ein, schlängelt sich durch die knuffenden Massen, muss sich von Einkaufswägen überrollen lassen und die Beute erbittert gegen keifende Raffzähne verteidigen, die nicht davor zurückschrecken, einem den Artikel aus den Händen zu reißen. Sieht so ein Fest der Liebe aus?

Humorig schildert der Autor ein bekanntes Szenario, in das sich der Leser mit Leichtigkeit hinein versetzen kann. Dabei schlägt er die Brücke zu seiner Comic-Serie „Windkönig“ und betreibt ein wenig Werbung. Am Ende wartet noch eine Überraschung auf die Protagonistin, auch die ‚Bescherung’ ist dem Leser in beiderlei Sinne vertraut, aber die Auflösung versöhnt - wenngleich ein solch positives Finale im wahren Leben eher nicht erwartet werden darf.

„Die letzte Figur“ ist eine Geschichte, wie sie der Alltag erzählt und wie sie jeder Leser zweifellos in ähnlicher Form schon erlebte. Wer mehr von  J. Heinrich Heikamp lesen möchte, findet bei Crago-Verlag weitere Publikationen. (IS)

Die kleine Punkerin
j. Heinrich Heikamp

Crago-Verlag, Edition Heikamp 4, Weikersheim, 2004, A6, 3-937440-07-0, 12/150
Auflage: 100 +
Titelillustration von Aldred Schiedek
Vorwort von Sandra Henke
Crago-Verlag, c/o Michael Schneider-Braune, P.F. 1248, 97990 Weikersheim, Tel.0 79 34 – 9 93 78 90, Fax: 0 79 34 – 9 93 78 89
Bd. 4 der Edition Heikamp beinhaltet Short Cuts, die kürzeste Prosaform, aus der Feder von J. Heinrich Heikamp, von dem bereits ein weiterer Band innerhalb dieser Reihe (1: „Regen prasselt leise“) erschienen ist. Darüber hinaus kann man bei Crago-Verlag weitere Hefte mit seinen Beiträgen finden, bzw. solche, an deren Entstehung er beteiligt ist.

„Die kleine Punkerin“ offeriert 7 Short Cuts aus den Jahren 1989 – 2003. In wenigen Sätzen werden kurze Szenen geschildert, Eindrücke und Gefühle. Es bleibt dem Leser überlassen, darüber nachzudenken, was vorher geschah und nachher noch geschehen könnte.

„Der Pakt“ mit dämonischen Kräften, der Reichtum und Macht einbringen sollte, führte letztlich zu Einsamkeit und Verzweiflung.

„Der Prinz“, der aus Liebe sein Land beinahe in ein Unglück stürzte, fängt sich, denn das Leben geht weiter, er hat Pflichten.

Der „König der Inseln“ hat es weit gebracht, hat im Prinzip all seine Ziele erreicht, darüber jedoch vergessen, sein Leben zu genießen.

Ein „Magisches Studium“ zehrt an den Kräften, geistig und körperlich, aber wenn es geschafft ist, wird alles besser, und so lebt der Protagonist in der Hoffnung.

„Der rote Bär“ erlaubt zu spekulieren, ob es sich hierbei um eine politische Anspielung handelt.

„Der Beamte“ brütet über seinen Papieren und tut nichts, denn die Menschen hinter den Formularen sind gesichtslos und ihm gleichgültig.

„Die kleine Punkerin“ sich aus der uniformen Masse heraus – für wie lange noch, da sich alle im Laufe der Zeit anpassen?

Man kann das kleine Heft sehr schnell durchlesen, aber das ist nicht der Sinn der Sache. Nimmt man sich die Short Cuts einzeln vor, hält inne und denkt über das Gelesene nach, bevor man fortfährt, erfasst man erst die Atmosphäre, die der Autor in jede einzelne Kurzgeschichte hinein legte. Verzweiflung, Fatalismus, Enttäuschung, Hoffnung und andere Emotionen kommen zum Ausdruck. „Die kleine Punkerin“ ist keine alltägliche Lektüre und ragt wie die Figur der Titelstory aus dem bequemen, gefälligeren Mainstream heraus. (IS)